Für die gesamte Zweiphasentechnik besteht eine regulatorische Frage, die sich technisch nicht lösen lässt. 3M kündigte im Dezember 2022 an, die Fertigung von per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) bis Ende 2025 zu beenden. Das Unternehmen kündigte zugleich an, PFAS aus dem gesamten Produktportfolio zu nehmen[27]. Nach Unternehmensangabe ist der Ausstieg zum Ende des Jahres 2025 vollzogen. Restbestände aus früherer Fertigung sind noch im Markt[28].
Präzisierung zur Pressemitteilung. Die Pressemitteilung nennt weder Novec noch Fluorinert. Sie spricht allgemein von Fluorpolymeren, fluorierten Fluiden und PFAS-basierten Additiven[27]. Die verbreitete Formulierung „3M stellt Novec ein“ ist damit aus der Primärquelle nicht belegt. Sie stammt aus der Kommunikation von Distributoren.
Parallel läuft das europäische Beschränkungsverfahren. 2 unabhängige Rechtsanalysen stellen den Ablauf übereinstimmend dar[29], [30]:
- 02.03.2026: Der Ausschuss für Risikobeurteilung nahm sein Endgutachten an.
- 26.03.2026: Entwurf des sozioökonomischen Gutachtens.
- bis 25.05.2026: Konsultation.
- Ende 2026: abschließendes Gutachten erwartet.
- 2027: Verabschiedung einer Änderung von REACH Anhang XVII erwartet, mit einer Übergangsfrist von 18 Monaten.
Für Wärmeträgerfluide ist der Stand ausdrücklich offen. Der sozioökonomische Ausschuss hält die Datenlage für unzureichend. Sie reicht nicht für eine abschließende Beurteilung der beantragten Ausnahmen für Kältemittel, Wärmeträgerfluide und Elektronikanwendungen[29]. Für Hochtechnologiesektoren ohne verfügbare Alternativen stehen befristete Ausnahmen von bis zu 12 Jahren im Raum[30].
Folgen für die Fluidwahl
Die naheliegenden Ersatzstoffe lösen das Problem nicht. Ein Entwicklungsprodukt als Ersatz für Perfluorpolyether, Hydrofluorether und Fluorketone siedet bei 49 °C. Es hat ein Treibhauspotenzial von 10 und keinen Flammpunkt. Chemisch gehört es zur Klasse der Hydrofluorolefine[31]. Das Produkt ist damit selbst eine fluorierte Verbindung. Nach der breiten Definition des europäischen Vorschlags fällt es in dessen Anwendungsbereich.
Dasselbe gilt für R1233zd(E). Dieses Fluid verwendet der Prüfaufbau aus Abschnitt 05[22].
Ein PFAS-freies Zweiphasenfluid mit vergleichbaren Eigenschaften für die Elektronikkühlung ließ sich in dieser Recherche nicht belegen.
Die Folge für den Anlagenbau: Die Fluidwahl muss umkehrbar bleiben. Das bedeutet konkret:
- Der Sättigungsdruckbereich des Kreises lässt mehrere Kandidaten zu.
- Werkstoffe und Dichtungen müssen gegen die ganze Kandidatenliste geprüft sein und nicht nur gegen ein einzelnes Fluid.
- Die Füllmenge ist so bemessen, dass ein Fluidwechsel eine Wartungsmaßnahme bleibt und keinen Umbau erfordert.