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Fachbeitrag 06 · Wärmepumpen

Kennfeld statt Einzelpunkt: was EN 14511 und EN 14825 vom Prüfstand verlangen

±0,15 K auf die Temperaturdifferenz, 35 Minuten Messdauer nach 30 Minuten Stabilität, und bei Abtauung ein Zehnsekundentakt über bis zu drei Stunden. Die Normen sagen sehr genau, was ein Prüfstand können muss.

Stand
August 2026
Umfang
Lesezeit ca. 30 min
Für
Entwicklung Wärmepumpen · Prüffeld · Einkauf
Quellen
29 belegte Fundstellen

Eine Wärmepumpe hat keine Leistung, sie hat ein Kennfeld. Was auf dem Typenschild steht, ist ein Punkt daraus — bei einer bestimmten Quellentemperatur, einer bestimmten Vorlauftemperatur und einer bestimmten Spreizung. Wer diese drei Angaben weglässt, hat nichts gesagt.

Die europäischen Normen legen das sehr genau fest: EN 14511 die Prüfbedingungen und Prüfverfahren, EN 14825 die Teillastpunkte und die Bildung der Jahreskennwerte. Dieser Beitrag arbeitet heraus, welche Anforderungen daraus an den Prüfstand folgen — und warum die härteste Zahl der ganzen Normenfamilie nicht bei der Leistung steht, sondern bei der Temperaturdifferenz.

01 · Die Normenfamilie

EN 14511 trägt den gemeinsamen Haupttitel „Luftkonditionierer, Flüssigkeitskühlsätze und Wärmepumpen für die Raumbeheizung und -kühlung und Prozesskühler mit elektrisch angetriebenen Verdichtern" und gliedert sich in vier Teile, alle in der Ausgabe 2022 beziehungsweise als deutsche Fassung 2023:[1] [2] [3] [4]

Die vier Teile von EN 14511
TeilGegenstandDIN-AusgabeUmfang
Teil 1Begriffe2023-0820 Seiten[1]
Teil 2Prüfbedingungen2023-0827 Seiten[2]
Teil 3Prüfverfahren2023-1286 Seiten[3]
Teil 4Anforderungen2023-0816 Seiten[4]

Dazu kommen EN 14825 für die jahreszeitbedingte Effizienz[5] [6], EN 16147 für Warmwasserbereitung, EN 12102-1 für die Geräuschmessung und EN 15879-1 für Direktverdampfungssysteme. Das Zertifizierungsschema Heat Pump KEYMARK zitiert sie sämtlich als normative Grundlage und stellt einen Grundsatz voran, der in Ausschreibungen oft fehlt: Es gelten ausschließlich gültige Normfassungen.[7]

Der Umfang von Teil 3 — 86 Seiten Prüfverfahren gegenüber 16 Seiten Anforderungen — sagt bereits alles über die Gewichtung: Der schwierige Teil ist nicht, was gefordert wird, sondern wie man es misst.

02 · Prüfbedingungen und Nennpunkte

EN 14511-2 definiert vier Temperaturanwendungen für die Senke, jeweils über die Austrittstemperatur:[8]

Temperaturanwendungen und Senkenbedingungen nach EN 14511-2
AnwendungAustrittSenke Ein → AusSpreizung
Low temperature35 °C30 → 35 °C5 K
Intermediate45 °C40 → 45 °C5 K
Medium55 °C47 → 55 °C8 K
High65 °C55 → 65 °C10 K

Eine Zahl, die die Hydraulik bestimmt. Die Spreizung ist nicht konstant: 5 K bei W35 und W45, aber 8 K bei W55 und 10 K bei W65. Bei gleicher Leistung fällt der Volumenstrom damit von W35 auf W65 auf die Hälfte. Ein Prüfstand, der alle vier Anwendungen fahren soll, braucht auf der Senkenseite einen Regelbereich von mindestens 1 zu 2 — bei gleichbleibender Regelgüte über den ganzen Bereich.

Quellenseitig sind für Luft die Standardbedingung 7 °C Trockenkugel bei 6 °C Feuchtkugel sowie die Anwendungsbedingungen 2/1 °C, −7/−8 °C, −15 °C und 12/11 °C genannt; für Wasser und Sole gilt Eintritt 10 °C, Austritt 7 °C.[8] Die verbreitete Kurzschreibweise ist Branchenkonvention und keine Normfestlegung — belegt findet sie sich etwa im KEYMARK-Anhang, der die Prüfpunkte als A7/W35, A20/W35, B0/W35 und W10/W35 nach EN 14511-2 sowie E4/W35 nach EN 15879-1 nennt.[9] Erster Buchstabe ist die Quelle, die Zahl die Quellentemperatur, die W-Zahl die Wasseraustrittstemperatur.

A2/W35 und A−7/W35 sind keine EN-14511-Nennpunkte, sondern Teillastpunkte aus EN 14825. Wer sie im Lastenheft als Nennbedingungen führt, vermischt zwei Normen.

03 · Was in die Leistungsaufnahme eingerechnet wird

Hier liegt die häufigste Quelle für unvergleichbare COP-Angaben. EN 14511-3 verlangt, dass die effektive Leistungsaufnahme die Korrektur für Ventilatoren und Pumpen enthält — unabhängig davon, ob sie im Gerät integriert sind oder nicht.[10]

Behandlung von Hilfsenergien nach EN 14511-3
FallBehandlung
integrierte VentilatorenLeistungsanteil wird herausgerechnet
nicht integrierte Ventilatorenanteilige Leistung wird hinzugerechnet
integrierte Pumpenherausgerechnet, mit Wirkungsgraden nach dem normativen Anhang F
nicht integrierte Pumpenhinzugerechnet

Der Sinn dahinter: Nicht die Hydraulikleistung des Prüfstands zählt, sondern der äquivalente elektrische Aufwand für den geräteseitigen Druckverlust. Der Effekt ist erheblich — eine Fachdarstellung beziffert den Einfluss der Korrektur auf den COP mit bis zu 0,3.[11] Ebenso fließt die Abtauung in den COP ein: Die Abtauwärme wird dem Heizkreis entnommen, und die dafür nötige Energie wird bei der COP-Bestimmung berücksichtigt; je nach Güte des Abtaualgorithmus kostet das 0,3 bis 1,0 COP-Punkte.[11]

Für kanalgebundene Innengeräte gibt Teil 3 Mindestwerte der externen Pressung vor, gestaffelt nach Nennleistung — von 25 Pa bis 8 kW bis zu 175 Pa ab 147 kW. Überschreitet die tatsächliche Pressung den doppelten Mindestwert, ist die Ventilatordrehzahl entsprechend anzupassen.[10]

04 · Toleranzen und Messunsicherheiten

Die Norm trennt sauber zwischen zwei Dingen, die im Sprachgebrauch oft verschwimmen: der zulässigen Abweichung der eingestellten Prüfbedingung während der Messung und der zulässigen Messunsicherheit der Messkette.

Zulässige Abweichungen im Beharrungszustand nach EN 14511-3, Tabelle 5
Messgrößearithmetisches MittelEinzelwerte
Flüssigkeit, Eintrittstemperatur± 0,2 K± 0,5 K
Flüssigkeit, Austrittstemperatur± 0,3 K± 0,6 K
Flüssigkeit, Volumen- oder Massenstrom± 1 %± 2,5 %
Luft, Trockenkugel Eintritt± 0,3 K± 1 K
Luft, Feuchtkugel Eintritt± 0,4 K± 1 K
Luftvolumenstrom± 5 %± 10 %
Spannung± 4 %± 4 %
Maximale Messunsicherheiten nach EN 14511-3, Tabelle 2 (95 % Überdeckung)
GrößeGrenzwert
Temperaturdifferenz der Flüssigkeit± 0,15 K
Flüssigkeitsdurchfluss± 1 %
Statischer Druck Flüssigkeit± 1 kPa oder ± 5 %
Luft, Trockenkugeltemperatur± 0,2 K
Luft, Feuchtkugeltemperatur± 0,4 K
Luftvolumenstrom± 5 %
Elektrische Leistung± 1 %
Spannung und Strom± 0,5 %
Leistung nach Kalorimeterverfahren± 5 %, bei Single-Duct-Geräten ± 10 %
Die ±0,15 K gelten für die Temperaturdifferenz, nicht für die Absolutwerte. Bei 5 K Spreizung sind das bereits 3 % auf die Leistung — und sie sind mit einzeln kalibrierten Fühlern praktisch nicht zu halten. Paarweise kalibrierte Widerstandsthermometer in Differenzschaltung sind hier keine Komfortlösung, sondern Voraussetzung.

Für die Bestimmung der Leistung führt EN 14511-3 drei normative Verfahren: das Kalorimeterraum-Verfahren in Anhang A, das Innenluft-Enthalpieverfahren in Anhang B und das Flüssigkeits-Enthalpieverfahren in Anhang D; die Luftvolumenstrommessung regelt der normative Anhang I, die Pumpenwirkungsgrade der normative Anhang F.[10]

Eine verbreitete Faustregel ohne Normgrundlage. „Zwei unabhängige Verfahren müssen auf 5 % übereinstimmen" ist gute Prüfstandspraxis — eine solche numerische Anforderung ließ sich in EN 14511-3 aber nicht belegen. Die Norm formuliert eine Kann-Bestimmung: Eine bestätigende Messung der Leistung darf über den anderen Raum oder wasserseitig erfolgen.[10] Verlangt wird stattdessen, dass jedes einzelne Verfahren für sich die Unsicherheitsgrenze einhält. Wer die 5-Prozent-Regel im Lastenheft will, sollte sie als eigene Anforderung formulieren und nicht als Normzitat.

05 · Teillast, Bins und der SCOP

EN 14825 ermittelt die jahreszeitbedingten Kennwerte SEER, SCOP und die zugehörigen Effizienzangaben; die Verfahren dürfen auf gemessenen oder berechneten Werten beruhen.[6] Drei Klimazonen sind definiert, jede mit 8760 Stunden:[12]

Klimazonen nach EN 14825
KlimaAuslegungstemperatur HeizenAuslegungstemperatur Kühlen
Average−10 °C35 °C
Colder−22 °C30 °C
Warmer+2 °C40 °C
0 20 40 60 80 100 -10 -5 +0 +5 +10 +15 AUSSENTEMPERATUR · °C TEILLASTVERHÄLTNIS · % Heizlastgerade A -7 °C · 88 % B 2 °C · 54 % C 7 °C · 35 % D 12 °C · 15 % TOL T-BIV Durchschnittsklima · Auslegungstemperatur −10 °C · Betriebsgrenztemperatur −7 °C · Bivalenzpunkt höchstens +2 °C
Die vier Teillastpunkte für das Durchschnittsklima, aufgetragen über der Außentemperatur. Die Reihenfolge ist kontraintuitiv: A ist der kälteste Punkt mit der höchsten Teillast, D der wärmste. Werte nach dem EHPA-Prüfreglement, das EN 14825 wiedergibt.[13]

Neben den vier Punkten A bis D kennt EN 14825 für das Heizen weitere Punkte bis G; hinzu kommen der Bivalenzpunkt, die Betriebsgrenztemperatur und optional ein Punkt bei −15 °C.[14] Die Ökodesign-Verordnung setzt für das Referenzklima die Auslegungstemperatur auf −10 °C, den Bivalenzpunkt auf höchstens +2 °C und die Betriebsgrenztemperatur auf −7 °C; die europäische Referenz-Heizperiode umfasst 4910 Stunden im Jahr.[15]

Eine methodische Kritik, die für den Prüfstandsbau wichtig ist, formuliert eine Fachveröffentlichung treffend: In jedem Prüfpunkt ändern sich alle drei Betriebsparameter gleichzeitig — Quellentemperatur, Senkentemperatur und Leistungsabgabe.[14] Aus EN-14825-Punkten lässt sich deshalb kein sauberes Kennfeld separieren.

Wer ein Kennfeld will, muss es getrennt fahren: eine Größe variieren, die anderen halten. Die Normpunkte liefern die Zertifizierungswerte, nicht das Verständnis der Maschine. Beides braucht denselben Prüfstand, aber unterschiedliche Prüfprogramme.

Zum Bezug auf die europäischen Verordnungen: Die Ökodesign-Verordnung (EU) Nr. 813/2013 definiert die jahreszeitbedingte Raumheizungs-Energieeffizienz und den Umrechnungskoeffizienten 2,5[15], die Energielabel-Verordnung (EU) Nr. 811/2013 die Effizienzklassen — für Niedertemperatur-Wärmepumpen reicht A+++ ab 175 %.[16] Die Marktaufsichtstoleranz beträgt für die jahreszeitbedingte Effizienz 8 %, für den Schallleistungspegel 2 dB.[15]

Beide Verordnungen werden derzeit überarbeitet. Die Europäische Kommission hat am 28. November 2025 vier parallele Konsultationen zu revidierten Ökodesign- und Energielabel-Regeln für Raumheiz- und Warmwassergeräte eröffnet, mit Frist bis 23. Januar 2026. Genannte Eckpunkte: Umstellung der Labelskala von A+++ bis D auf A bis G, QR-Codes zur europäischen Produktdatenbank, ein eigenes Kennzeichen für Wärmepumpen mit klimafreundlichen Kältemitteln und eine Drittprüfung. Ein Termin für die Verabschiedung steht nicht fest.[17]

06 · Abtauung: der instationäre Teil

Hier stellt die Norm die höchsten Anforderungen an die Datenerfassung — und hier scheitern improvisierte Prüfstände.

Der Beharrungszustand gilt als erreicht, wenn alle Messgrößen ohne Änderung der Sollwerte für mindestens 30 Minuten innerhalb der zulässigen Abweichungen bleiben. Die anschließende Messdauer beträgt mindestens 35 Minuten, mit einer vollständigen Aufzeichnung mindestens alle 30 Sekunden.[10] Das sind zwei getrennte Anforderungen, keine überlappenden.

Für den instationären Betrieb mit Abtauung definiert die Norm zwei Intervalltypen: Ein Intervall H ist eine Heizperiode mit Ausnahme der ersten zehn Minuten nach Abtauende; ein Intervall D besteht aus einem Abtauzyklus plus den ersten zehn Minuten Heizbetrieb danach.[10] Die Abtastraten unterscheiden sich entsprechend:

Ablauf und Abtastung im instationären Betrieb nach EN 14511-3
SchrittVorgabe
Vorkonditionierungzulässige Abweichungen mindestens 10 Minuten eingehalten; empfohlen wird, mit einem Abtauzyklus abzuschließen
Gleichgewichtsphase60 Minuten Betrieb innerhalb der zulässigen Abweichungen
Abtastung Intervall Halle 30 Sekunden oder häufiger
Abtastung Intervall Dalle 10 Sekunden oder häufiger
Abbruch der Datenerfassungnach 3 Stunden oder nach drei vollständigen Zyklen, je nachdem was zuerst eintritt
Mittelungüber die integrierte Leistung und die Zeit vollständiger Zyklen
Die Mittelung erfolgt über vollständige Zyklen, nicht über ein festes Zeitfenster. Ein Prüfstand muss die Zyklusgrenzen also erkennen, die Fensterlänge variabel halten und im Zehnsekundentakt belastbare Enthalpieströme liefern — einschließlich negativer Leistungen während der Abtauung.

Eine Anforderung an die Prüfkammer, die daraus folgt und selten mitgedacht wird: Für die akustische Prüfung schreibt das EHPA-Reglement vor, dass bei Geräten mit Abtauzyklen die Luftfeuchte am Eintritt so geregelt wird, dass während der Messung keine Abtauung auftritt.[13] Die Kammer muss also nicht nur befeuchten, sondern auch gezielt entfeuchten können.

07 · Was das für den Prüfstand heißt

Aus den zitierten Anforderungen ergibt sich ein Anforderungsprofil. Es ist unsere Ableitung, nicht die der Normen.

Anforderungen an den Prüfstand, abgeleitet
TeilsystemAnforderungGrundlage
SenkenkreisVolumenstromregelung über mindestens 1 zu 2, Regelgüte über den ganzen BereichSpreizungen 5 bis 10 K[8]
Temperaturmessungpaarweise kalibrierte Widerstandsthermometer, Differenzschaltung± 0,15 K auf ΔT[10]
DurchflussmessungUnsicherheit unter 1 %, kalibriert nahe den BetriebsbedingungenTabelle 2[10]
KlimakammerKühlen, Heizen, Befeuchten und Entfeuchten; Luftgeschwindigkeit im Raum unter 1,5 m/s bei stillstehendem PrüflingAnhang A[10] [13]
FeuchtemessungFeuchtkugel mit Unsicherheit unter 0,4 KTabelle 2[10]
Datenerfassung10-Sekunden-Takt, zyklussynchrone Auswertung, variable FensterlängeAbschnitt 4.4.4[10]
Elektrische MessungLeistung unter 1 %, Spannung und Strom unter 0,5 %Tabelle 2[10]
LuftseiteVolumenstrommessung mit Unsicherheit unter 5 %Anhang I[10]

Für die luftseitige Volumenstrommessung sind die einschlägigen Verfahrensnormen die Reihe ISO 5167 für Wirkdruckgeräte — insbesondere Teil 3 für Düsen und Venturi-Düsen[18] [19] — sowie ISO 5801 für Ventilatorprüfstände.[20] Auf der amerikanischen Seite entspricht dem ANSI/AMCA 210 beziehungsweise ASHRAE 51 in der Ausgabe 2025.[21]

Eine Einschränkung, die wir nicht auflösen konnten. Ob EN 14511-3 in seinem normativen Anhang I ausdrücklich auf ISO 5167, ISO 5801 oder AMCA 210 verweist, ließ sich aus dem zugänglichen Auszug nicht belegen — dort waren nur die Abschnittsüberschriften einsehbar. Wer eine solche Verweisung in ein Lastenheft schreibt, sollte sie am Originalexemplar prüfen.

Ergänzend eine Anforderung von ISO 5167-1, die für drehzahlgeregelte Ventilatoren relevant ist: Die Norm gilt für unterschallige Einphasenströmung und schließt pulsierende Strömung ausdrücklich aus.[18]

Wer prüft und zertifiziert

Für die Zertifizierung gibt es zwei etablierte Wege. Das Heat Pump KEYMARK deckt Wärmepumpen-Raumheizgeräte, Kombiheizgeräte und Warmwasserbereiter bis 400 kW ab und arbeitet mit Toleranzen auf deklarierte Werte von −8 % für die jahreszeitbedingte Effizienz und die Nennleistung sowie +2 dB(A) für die Schallleistung — dieselben Werte wie die Marktaufsichtstoleranzen der Ökodesign-Verordnung.[7] Das EHPA-Gütesiegel arbeitet mit eigenen Prüfreglementen je Bauart und schreibt für Luft/Luft-Geräte das Kalorimeterraum-Verfahren zwingend vor.[13] [22]

Wir bauen die Prüfstände, mit denen diese Nachweise geführt werden. Die Zertifizierung selbst trifft eine akkreditierte Stelle — das ist eine Trennung, die wir nicht verwischen.

08 · Der Kältemittelwechsel

Die F-Gas-Verordnung (EU) 2024/573 vom 7. Februar 2024, in Kraft seit dem 11. März 2024[23], verbietet das Inverkehrbringen von Geräten mit fluorierten Kältemitteln oberhalb bestimmter Treibhauspotenziale gestaffelt nach Bauart und Leistung. Für die Wärmepumpenentwicklung sind vor allem diese Termine maßgeblich:[24] [25]

Ausgewählte Verbote nach Verordnung (EU) 2024/573
BauartVerbotab
Monoblock bis 12 kWGWP ab 15001.01.2027
Monoblock über 12 bis 50 kWGWP ab 15001.01.2027
Luft/Wasser-Split bis 12 kWGWP ab 15001.01.2027
Luft/Luft-Split bis 12 kWGWP ab 15001.01.2029
Split über 12 kWGWP ab 75001.01.2029
Split über 12 kWGWP ab 15001.01.2033
Monoblock bis 12 kWalle F-Gase, mit Sicherheitsausnahmen01.01.2032
R32 hat ein Treibhauspotenzial von 675 und fällt damit unter das Verbot ab 2027 für die genannten Kategorien. Ein Wärmepumpen-Prüfstand, der ab 2027 noch relevant sein soll, muss propanfähig sein.

Was R290 für den Prüfstand bedeutet

Propan ist nach ISO 817 in die Sicherheitsgruppe A3 eingestuft, also leicht entflammbar, hat ein Treibhauspotenzial von 0,02 und eine Selbstentzündungstemperatur von 470 °C; die nach EN 378-2 maximal zulässige Oberflächentemperatur beträgt 370 °C. Als Nicht-F-Gas ist es von der Dichtheitsprüfpflicht der F-Gas-Verordnung ausgenommen.[26]

Für den Aufstellungsraum ist EN 378-3 maßgeblich, ergänzt um die Regelwerke des Explosionsschutzes. Eine Fachdarstellung nennt als Ausstattung:[27]

Anforderungen an den Maschinenraum bei brennbaren Kältemitteln
AnforderungWert
Lüftung im Normalbetriebvierfacher Luftwechsel
Notlüftungmindestens fünfzehnfacher Luftwechsel
Absaugungbodennah — Propan ist schwerer als Luft
Gaswarnung Voralarm20 % der unteren Explosionsgrenze
Gaswarnung Hauptalarm40 % der unteren Explosionsgrenze
Sensoren, Lüfter, unterbrechungsfreie Versorgungexplosionsgeschützt, unabhängig versorgt

Für die Zoneneinteilung sind EN 60079-10-1 und EN 1127-1 einschlägig, für die Personalqualifikation EN 378-4 und ISO 22712.[28] Ein Leitfaden zur Außenaufstellung listet die zu vermeidenden Zündquellen im Schutzbereich ausdrücklich auf — bis hin zu elektronischen Geräten wie Mobiltelefonen und Notebooks — und verlangt, dass dort während des bestimmungsgemäßen Betriebs weder dauerhaft noch kurzfristig Zündquellen vorhanden sind.[29]

Was sich nicht pauschal sagen lässt. Maximale Füllmengen für R290 in Kilogramm oder Kilogramm je Kubikmeter nennt der genannte Leitfaden bewusst nicht; er verweist auf herstellerspezifische Aufstellbedingungen, und auch feste Sicherheitsabstände gibt er nicht vor.[29] Wer eine Zahl braucht, bekommt sie nur aus der Gefährdungsbeurteilung des konkreten Raums.

Was das für die Prüfstandsauslegung heißt

Ein Prüfstand für propanbetriebene Wärmepumpen ist kein Klimaschrank mit Zusatzausstattung. Er ist eine Anlage mit Zonenkonzept, Gaswarnung in mehreren Stufen, explosionsgeschützter Lüftung, bodennaher Absaugung und einer Sicherheitskette, die im Fehlerfall zuerst lüftet und dann freischaltet. Diese Punkte gehören in die Auslegung und nicht in die Inbetriebnahme — sie bestimmen die Aufstellung, die Raumhöhe und die Kabelführung.

Zum Stand dieses Beitrags. Recherchestand August 2026. Normtexte sind kostenpflichtig; die hier wiedergegebenen Tabellenwerte aus EN 14511-2 und -3 stammen aus im Netz auffindbaren Volltextkopien und sind vor einer verbindlichen Verwendung am gekauften Original zu prüfen. Angaben zu Titeln, Ausgaben und Status stammen aus den Katalogen der Normverlage. Wir bauen Prüfstände und zertifizieren nicht.

09 · Quellen

Die EU-Verordnungen und die Prüfreglemente der Zertifizierungsprogramme sind frei zugänglich und für die Auslegung eines Prüfstands oft ergiebiger als die Normtexte selbst — sie nennen die Prüfpunkte konkret.

  1. DIN Media · DIN EN 14511-1:2023-08 · Luftkonditionierer, Flüssigkeitskühlsätze und Wärmepumpen — Teil 1: Begriffe · 2023 · www.dinmedia.de/en/standard/din-en-14511-1/349080226Norm
  2. DIN Media · DIN EN 14511-2:2023-08 · Teil 2: Prüfbedingungen · 2023 · www.dinmedia.de/en/standard/din-en-14511-2/349069586Norm
  3. DIN Media · DIN EN 14511-3:2023-12 · Teil 3: Prüfverfahren · 2023 · www.dinmedia.de/en/standard/din-en-14511-3/349077054Norm
  4. DIN Media · DIN EN 14511-4:2023-08 · Teil 4: Anforderungen · 2023 · www.dinmedia.de/en/standard/din-en-14511-4/349080277Norm
  5. DIN Media · DIN EN 14825:2023-10 · Prüfung und Leistungsbemessung unter Teillastbedingungen, Berechnung der jahreszeitbedingten Leistung · 2023 · www.dinmedia.de/en/standard/din-en-14825/343036621Norm
  6. BSI / ANSI Webstore · Vorschau BS EN 14825:2022 — Anwendungsbereich und Inhaltsverzeichnis · 2022 · webstore.ansi.org/preview-pages/BSI/preview_30419055.pdfNormvorschau
  7. CEN-CENELEC Management Centre · Heat Pump KEYMARK — European KEYMARK Scheme for Heat Pumps, Rev. 15 · 25.09.2024 · keymark.eu/en/documents/heat-pumps/118-heat-pump-keymark-scheme-rules-v15/fileZertifizierungsschema
  8. BS EN 14511-2:2022 · Bemessungsbedingungen — Tabellen 5 bis 10 (inoffizielle Volltextkopie) · 2022 · www.china-gauges.com/Uploads/download/649ceac0ee098.pdfNormtext, inoffiziell
  9. CEN-CENELEC · Heat Pump KEYMARK Annex A — Testing conditions and rerating rules, Rev. 11 · 06.12.2023 · keymark.eu/en/documents/heat-pumps/104-annex-a-keymark-requirements-v11/fileZertifizierungsschema
  10. BS EN 14511-3:2022 · Prüfverfahren — Toleranzen, Messunsicherheiten, Beharrungszustand, Abtauung (inoffizielle Volltextkopie) · 2022 · www.china-gauges.com/Uploads/download/649ceada5fb40.pdfNormtext, inoffiziell
  11. B. Klein · Independent testing of heat pumps is needed for reliable COP · REHVA Journal, Oktober 2012 · www.rehva.eu/fileadmin/hvac-dictio/05-2012/p15-18_klein.pdfFachbeitrag
  12. Eurovent · Eurovent 18/01-2023 · Seasonal efficiency index STER for polyvalent units · 28.07.2023 · www.eurovent.eu/wp-content/uploads/eurovent-rec-18-1-seasonal-efficiency-index-ster-1st-edition-2023-en.pdfBranchenempfehlung
  13. EHPA · EHPA Testing Regulation — Testing of Air/Water Heat Pumps, V2.4a · 07.06.2021 · www.ehpa.org/wp-content/uploads/2022/07/EHPA_TestReg_AW_HP_V2.4a_20210607_.pdfPrüfreglement
  14. L. Socal · Heat pumps: lost in standards… and found · REHVA Journal 05/2021 · www.rehva.eu/rehva-journal/chapter/heat-pumps-lost-in-standards-and-foundFachbeitrag
  15. EUR-Lex · Verordnung (EU) Nr. 813/2013 zur Durchführung der Ökodesign-Richtlinie für Raumheizgeräte und Kombiheizgeräte · 02.08.2013 · eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/HTML/?uri=CELEX:32013R0813Rechtsakt
  16. EUR-Lex · Delegierte Verordnung (EU) Nr. 811/2013 zur Energieverbrauchskennzeichnung von Raumheizgeräten · 18.02.2013 · eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/HTML/?uri=CELEX:32013R0811Rechtsakt
  17. Europäische Kommission · Ecodesign and energy labelling: Commission consults on revised rules for space and water heaters · 01.12.2025 · energy.ec.europa.eu/news/ecodesign-and-energy-labelling-commission-consults-revised-rules-space-and-water-heaters-2025-12-01_enBehördenmitteilung
  18. ISO · ISO 5167-1:2022 · Measurement of fluid flow by means of pressure differential devices — Part 1 · 2022 · www.iso.org/standard/79179.htmlNorm
  19. ISO · ISO 5167-3:2022 · Nozzles and Venturi nozzles · 2022 · www.iso.org/standard/84845.htmlNorm
  20. ISO · ISO 5801:2017 · Fans — Performance testing using standardized airways · 2017 · www.iso.org/standard/56517.htmlNorm
  21. AMCA / ASHRAE · ANSI/AMCA 210-25 (= ASHRAE 51-25) · Laboratory methods of testing fans for certified aerodynamic performance rating · 2025 · www.thenbs.com/publicationindex/documents/details?Pub=AMCA&DocId=348865Norm
  22. EHPA · EHPA Testing Regulation — Testing of Air/Air Heat Pumps, V1.3a · 01.04.2021 · www.ehpa.org/wp-content/uploads/2022/07/EHPA_Testreg_AA-HP_V1.3a_2021-06-22.pdfPrüfreglement
  23. EUR-Lex · Verordnung (EU) 2024/573 über fluorierte Treibhausgase · 07.02.2024 · eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/HTML/?uri=OJ:L_202400573Rechtsakt
  24. Europäische Kommission, GD Klima · Air conditioning: climate-friendly alternatives to F-gases — Übersicht der Verbote · abgerufen 2026 · climate.ec.europa.eu/areas-action/fluorinated-greenhouse-gases/climate-friendly-alternatives-f-gases/air-conditioning_enBehördeninformation
  25. Bundesfachschule Kälte-Klima-Technik · Die novellierte F-Gase-Verordnung — Wesentliche Änderungen für Betreiber · Juni 2024 · www.bfs-kaelte-klima.de/fileadmin/DATEIEN/Download/Merkblaetter/Die_novellierte_F-Gase-Verordnung-12-24.pdfMerkblatt
  26. BWP e.V. · Leitfaden Außenaufstellung von Wärmepumpen mit brennbaren Kältemitteln, Version 01.02.2024 — Stoffdaten R290 · 2024 · www.waermepumpe.de/fileadmin/user_upload/BWP_LF_Kaeltemittel_WEB.pdfLeitfaden
  27. H. Erös · Ausstattung von Maschinenräumen für Kälteanlagen und Wärmepumpen mit brennbaren Kältemitteln · KKA Kälte Klima Aktuell 05/2025 · www.kka-online.info/artikel/ausstattung-von-maschinenraeumen-fuer-kaelteanlagen-und-waermepumpen-mit-brennbaren-kaeltemitteln-4297296.htmlFachbeitrag
  28. Die Kälte + Klimatechnik · Brennbare Kältemittel — Gefährdungsbeurteilung in der Praxis · abgerufen 2026 · www.diekaelte.de/kaeltetechnik/brennbare-kaeltemittel-gefaehrdungsbeurteilung-der-praxis-propan-anlagen-sicherFachbeitrag
  29. BWP e.V. · Leitfaden Außenaufstellung — Schutzbereiche und Zündquellen · 2024 · www.waermepumpe.de/fileadmin/user_upload/BWP_LF_Kaeltemittel_WEB.pdfLeitfaden

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